Mani - ein kleines Volk stirbt im Verborgenen
Allem Anschein nach haben nun auch die Mani ihren verzweifelten
Überlebenskampf gegen die grausame Zivilisation verloren. So wie die
gegenwärtige Entwicklung für sie verläuft, werden sie in wenigen
Jahren aufgehört haben, als eigenständiges Volk mit unabhängiger
Lebensweise zu bestehen. Ein weiterer Triumph der entwicklungs- und
fortschrittsgläubigen domestizierten Welt, für die die letzten Wilden,
Nicht-Domestizierten als gefährliche Zeugen einer besseren,
naturverträglichen Lebensart, seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar
seit Entstehung des Virus „Zivilisation" vor weniger als 20 000
Jahren, die allerschlimmsten Feinde sind.
Was haben die Deutschen, zu denen ich mich wider Willen auch zählen
lassen muß, mit den Mani zu tun? Sehr viel. Da gibt es den inzwischen
emeritierten Professor Müller-Beck von der Universität Tübingen, der
großem Einfluß auf die deutsche Regierungspolitik gegenüber
Naturvölkern hatte, wie ich an den Beispielen Hadzabe und Mani selbst
erfahren hatte. Müller-Beck erklärte, ohne je einen Mani gesehen zu
haben: „...entwickelt werden müssen sie ja...". Sein Schüler Albrecht
schickte einen Mischling eines Thaimannes und einer Manifrau zur
Schule. Dieser nun als Mani auftretende, völlig entwurzelte Mensch
darf nun über die Zukunft der Mani bestimmen: sie müssen alle zur
Schule.
Doch die meisten der Mani, diese Wilden, drücken sich. Schlicht
unerträglich im Zeichen der Globalisierung. Wie wilde Tiere hetzen sie
nun in den verbliebenen Rest-Urwaldgebieten der Banthat-Berge, ihres
angestammten Lebensraumes, hin und her, dort wo der Resturwald in
immer neue Gummibaumplantagen zum Wohle der internationalen
Autoreifenindustrie verwandelt wird. Der Plan, eine weitere Autostraße
durch die Banthatberge, und damit durch das allerletzte verbliebene
Rückzugsgebiet der noch wilden Mani zu bauen, ist sehr akut.
Ein früherer König der Thai, der anscheinend als einziger ein
Interesse an den Mani fand, die er ja zu seinen Untertan zählen
durfte, beschrieb vor 100 Jahren, daß Tausende von Sakai, das heißt
Sklaven, wie die Mani generell genannt werden im Flachlandgebiet rings
um die Banthatberge lebten. Die Entwicklung hat sie inzwischen
wegentwickelt, von den in die Berge getriebenen Mani irren dort noch
gerade einmal 100 umher, stets hungrig, den mit dem Bolau, dem
Blasrohr, ihrer einzigen Waffe, können sie kein Wild mehr erjagen. Das
Wild ist in Wildschutzgebiet Banthatberge abgeschossen, denn
Wildfleich schmeckt den Regierungsbeamten sehr.
In den zehn Jahren, seit unser kleiner Verein der Freunde der
Naturvölker sich für die Bewahrung der Mani als freie Wildbeuter
einsetzt, haben wir auch erfahren müssen, daß keine anderen
Organisationen oder Einzelpersonen weltweit gibt, die dem gleichen
Ziel nachgehen.
Mani sind die wohl primitivsten Menschen, die es noch auf der Erde
gibt. Helfen Sie mit uns unseren Mani-Freunden, daß sie es bleiben.
Hartmut Heller
Freunde der Naturvölker e.V.